Vaterschaft anfechten geht das.

Durch eine Vaterschaftsanfechtung bzw. ein Antrag auf Prüfung vom Nichtbestehen der Vaterschaftgemäß § 1599 BGB kann der rechtliche Vater vor dem Gericht erklären, dass er nicht gleichzeitig der biologische Erzeuger eines Kindes ist. Damit entzieht sich der rechtliche Vater den Pflichten gegenüber seinem nicht biologischen Kind. Aber wann und wie ist eine Vaterschaftsanfechtung gemäß Abstammungsrecht überhaupt möglich?

Rein rechtlich genügt es nicht, wenn der rechtliche Vater davon ausgeht, dass er nicht der biologische Erzeuger ist. Für eine Vaterschaftsanfechtung sind bestimmte Beweise nötig, die diese Vermutung untermauern. Dabei kann es sich unter anderem um folgende Dinge handeln:

  • Eheliche Abstammung des Kindes wird angezweifelt, da die Geburt außerhalb der Ehestattfand
  • Es besteht die konkrete Möglichkeit, dass das Kind von einem anderen Mannabstammt.
  • Fehlender sexueller Verkehr oder eine Unfruchtbarkeit des Mannes machen eine biologische Vaterschaft unmöglich
  • Abstammungsgutachten im Einverständnis mit Kind und Mutter

Gemäß Abstammungsrecht und § 1600 BGB kann die Vaterschaft von dem Mann angefochten werden, der

  • zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist,
  • die Vaterschaft anerkannt oder
  • an Eides statt versichert, dass er der Mutter des Kindes während der Empfängniszeit nicht beigewohnt hat.

Zudem können die Mutter des Kindes und das Kind selbst die Vaterschaft anfechten. Ist das Kind noch minderjährig, können seine gesetzlichen Vertreter die Vaterschaftsanfechtung in seinem Sinne aussprechen. Ab Kenntnis der zur Anfechtung berechtigten Umstände, muss die Vaterschaftsanfechtung innerhalb von zwei Jahren beim Familiengericht beantragt werden.Das bedeutet im Klartext: Ab dem Zeitpunkt, an dem Sie erfahren, dass Sie nicht der biologische Vater des Kindes sind, haben Sie zwei Jahre Zeit, um die Vaterschaft anzufechten. Anschließend ist dies nicht mehr möglich. Der Gesetzgeber geht nach der Frist davon aus, dass die Bindung zwischen Vater und Kind so stark ist, dass der bisherige Vater auch weiterhin der rechtliche Vater bleiben möchte.

Unter welchen Umständen haben Sie im Abstammungsrecht nicht die Möglichkeit, die Vaterschaft anzufechten? Nur weil das Kind keine Ähnlichkeit mit dem rechtlichen Vater aufweist, besteht noch lange kein Grund zur Vaterschaftsanfechtung. Wird ein Abstammungsgutachten ohne die Zustimmung des Kindes oder seiner gesetzlichen Vertreter durchgeführt, ist es vor Gericht unverwertbar.

Gemäß Abstammungsrecht kann eine gerichtliche Vaterschaftsanerkennung durchgeführt werden.
Gemäß Abstammungsrecht kann eine gerichtliche Vaterschaftsanerkennung durchgeführt werden.

Bei einem durch künstliche Befruchtungentstandenen Kind kann bei vorliegender Einwilligung des Mannes und der Mutter die Vaterschaft ebenfalls nicht angefochten werden.

Wenn Sie eine Vaterschaftsanfechtungdurchführen wollen, müssen Sie sich an das Familiengericht am gewöhnlichen Aufenthaltsort des Kindes wenden.

Die Kosten für die Vaterschaftsanfechtung muss jeder Beteiligte für sich selbst tragen.

Nur das betroffene Kind wird an den Gerichtskosten nicht beteiligt.

Grundsätzlich muss jeder Elternteil die Anwaltskosten sowie anteilig die Verfahrens- und Gutachterkosten tragen. Gesetzlich ist der Verfahrenswert für eine Vaterschaftsanfechtung im Abstammungsrecht auf 2000 Euro festgelegt.

Jede Partei muss mit Gebühren von rund 1000 Euro rechnen. Wenn ein Abstammungsgutachten durchgeführt werden soll, müssen Sie hierfür zusätzlich mit weiteren Kosten rechnen, die mehrere hundert Euro betragen können.