Jugendamt

Jugendämter sind ein Teil der kommunalen Verwaltung und als solche für den Kinder- und Jugendschutz innerhalb einer Kommune zuständig. Dabei steht das Kindeswohl im Vordergrund – basierend auf dem Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII). Die Träger, die im jeweiligen Landesrecht des Bundeslandes bestimmt werden, müssen jeweils ein Jugendamt einrichten.

Normalerweise wird also durch jeden Landkreis bzw. jede kreisfreie Stadt eine jeweilige Einrichtung gestellt. Zudem dienen Landesjugendämter als überörtliche Träger. Aber welche Aufgaben hat ein Jugendamt genau? Wann ist Hilfe vom Jugendamt zu erwarten? Diese und weitere Fragen rund um das Thema „Jugendamt“ soll der folgende Ratgeber beantworten.

Jugendamt Mitarbeiter für falsche Entscheidung persönlich belangen?

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, § 34, gilt:

Verletzt jemand in Ausübung eines ihm anvertrauten öffentlichen Amtes die ihm einem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht, so trifft die Verantwortlichkeit grundsätzlich den Staat oder die Körperschaft, in deren Dienst er steht. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit bleibt der Rückgriff vorbehalten. Für den Anspruch auf Schadensersatz und für den Rückgriff darf der ordentliche Rechtsweg nicht ausgeschlossen werden.“

Ein Mitarbeiter des Jugendamts nimmt lediglich die Position eines Angestellten des Trägers ein. Kommt es also während der Ausübung seines Amtes zu einem Fehler – stellt er zum Beispiel ein fehlerhaftes Gutachten aus – wird auch der Träger zur Verantwortung gezogen.

Das heißt, dass eine persönliche Haftung in der Regel nicht erfolgt, sondern das Jugendamt für den Schaden aufkommen muss. Anders sieht dies dann aus, wenn ein Straftatbestand wie unterlassene Hilfeleistung oder ähnliches vorliegt. In solch einem Fall können auch Amtsträger persönlich bestraft werden.

Bekannt wurde beispielsweise ein Fall, bei dem eine Mitarbeiterin des Jugendamts grob fahrlässig gehandelt hatte, indem sie ein Gutachten über ein Kind angefertigt hat, das diesem eine schwere Misshandlung seitens der Eltern bescheinigte. Unter anderem stellte sie Schütteltraumata fest, missachtete dabei aber gänzlich die Tatsache, dass das Kind aufgrund einer Erbkrankheit (ein sogenannter „Wasserkopf“) unter Symptomen wie Blutgerinnseln litt und diese nicht durch den Einfluss der Eltern entstanden.

Den Eltern wurde daraufhin das Sorgerecht für beide Kinder entzogen, die selbst zu dem Zeitpunkt nicht älter als 1 ½ Jahre waren. Die Eltern klagten daraufhin und forderten Schmerzensgeld von der Beklagten, die als Mitarbeiterin des Jugendamtes jedoch nicht persönlich belangt wurde. Hingegen fiel die Haftung dem zuständigen Landkreiszu, dem das Jugendamt unterstellt war.

Jugendamt wie Organisiert

Wie bereits erwähnt, gibt es in jedem Landkreis bzw. jeder kreisfreien Stadt ein Jugendamt, das je nach Region auch andere Namen tragen kann. So kommen auch Bezeichnungen wie „Fachbereich Familie“ oder „Fachbereich Jugend“ vor, die jedoch alle auf eine gemeinsame Organisationsstruktur hinauslaufen.

Diese Organisation besteht aus zwei Teilen:der Verwaltung und dem Jugendhilfeausschuss.

Diese zweigeteilte Zuständigkeit vom Jugendamt ist in jeder Einrichtung üblich. Der Jugendhilfeausschuss kümmert sich größtenteils darum, direkt auf Anregungen und Probleme von Kindern, Jugendlichen und Familien einzugehen und in der Kommune bzw. im entsprechenden Landkreis dafür zu sorgen, dass Hilfsangebote für die Jugend in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Dieser Ausschuss, der besonders auf die Förderung von Kinder- und Jugendhilfeangeboten spezialisiert ist, setzt sich aus verschiedenen Personengruppen zusammen. Einige der Mitglieder sind ebenfalls im Kreistag oder Stadtrat tätig, andere sind Experten in der Jugendhilfe, da sie sich in Jugendverbänden engagieren.

Die Mischung von Expertise, Erfahrung und Leidenschaft der Mitglieder für das Thema des Jugendhilfeausschusses führt zu einer umfassenden Meinungsbildung, sodass Probleme direkt und zielgerichtet angegangen werden können. Die Verwaltung des Jugendamtes wiederum setzt in der Regel die Vorgaben des Jugendhilfeausschusses um. Zudem werden der Verwaltung verschiedene Aufgaben zugeschrieben, die im nächsten Abschnitt erläutert werden sollen.

Da die Vermittlung der Werte nach dem SGB VIII in der Regel fachliche Kompetenzerfordert, arbeiten viele SozialpädagogenVerwaltungskräfte und andere Sozialarbeiter in der Verwaltung.