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Keine Geheimnisse mehr

Zitat

Ich wuchs mit einer Pflegemutter auf (heute sage ich "Oma" über sie), die 54 Jahre alt war, als ich in die Pflegefamilie kam. Trotzdem hatte ich bis zum 13. Lebensjahr nicht daran gezweifelt, dass sie meine "Mama" wäre. Im Biologieunterricht am Gymnasium ging mir jedenfalls eine ganze Lichterkette auf, als ich rekonstruierte, dass sie nicht meine leibliche Mutter gewesen sein konnte. Denn Schwangerschaften im Alter von 53 Jahren gab es damals bestimmt nicht.

Meine Stiefschwester, damals 36 Jahre alt, eröffnete mir, dass ich ein Pflegekind war. Damals brach für mich eine Welt zusammen. Ich tauchte ab in die Phantasiewelt der Kinder- und Jugendliteratur und verschanzte mich in Schule und Stadtbücherei. Es gab damals auch kein Angebot, meine Herkunft zu klären oder mich darin zu unterstützen, meine leiblichen Eltern zu finden. 1979 lebten beide noch. Im Gegenteil: Das Thema wurde wie eine Geheimakte verschlossen und war seitdem tabu. 1979 wurde ich förmlich von Oma adoptiert, ich war ihr Altersvorsorgemodell. Ich habe dann allerdings, darüber wundere ich mich selbst, niemals in Schränken gestöbert um eine "Akte" zu finden. Das kam mir gar nicht in den Sinn, vermutlich weil ich die Bestrafung im Voraus viel mehr fürchtete als die Wahrheit, die in einer Akte versteckt war. Erst 2017, nach längerer Erkrankung und Therapie, habe ich den Mut gefasst, meine Herkunft zu klären und habe die wahren Umstände meiner Geburt und meine Familiengeschichte erfahren. Das war dann die zweite Lichterkette an Erkenntnissen. Das reformierte Adoptionsrecht (01.04.2021) und mit Sicherheit auch Erfahrungen aus Jahren zuvor zeigen, dass es auch anders gehen kann. Heute hat jeder Jugendliche ab dem 16. Jahr das Recht auf Herkunftsklärung. Er/sie kann zum Jugendamt/Adoptionsvermittlungsstelle der Geburtsstadt gehen und um Akteneinsicht bitten. Das Jugendamt kann einen Kontakt mit den leiblichen Eltern anbahnen. Idealerweise unterstützen die Adoptiveltern ihre Tochter/ihren Sohn und lassen ihn/sie nicht mit einem Durcheinander an Gefühlen und seelischer Not alleine.

Viel offensichtlicher ist natürlich, wenn ethnische Unterschiede zwischen den Familienmitgliedern bestehen. Oder wenn in der Schule Hänseleien auftauchen, die ein Kind als "Heimkind" oder Adoptivkind diskreditieren. Das ist mir selber nie passiert. Anderer Fall: Eine adoptierte erwachsene Frau oder erwachsener Mann erfahren erst zum Zeitpunkt der Eheschließung von ihrer Adoption. Dann nämlich, wenn die Abstammungsurkunde beantragt werden muss. Darin sind dann die leiblichen Eltern genannt. Möglich auch, dass die Adoption bei der Beantragung eines Personalausweises (z.B. mit 18 Jahren) auffällt. All diese späten Zeitpunkte sind für die Adoptiveltern leider verpasste Gelegenheiten. Sie können dann nur noch "reagieren" und müssen sich ggf. mit der Wut ihrer Kinder auseinandersetzen. Wenn diese Auseinandersetzung ausfällt und die Adoption weiterhin "geleugnet" wird, führt das zu Entfremdung zwischen Eltern und Kind, womöglich auch dazu, dass Kinder sich von ihren Adoptiveltern abwenden, die womöglich zeitlebens und in jeder Beziehung gute Eltern waren. Dann machen sich die adoptierten jungen Erwachsenen auf eigene Faust auf die Suche und klären, was zu klären ist. Ein Beweis großer Liebe, Verantwortung und Reife seitens der Adoptiveltern wäre bzw. ist, ihren Sohn/ihre Tochter frühestmöglich über seinen/ihren Status als Adoptivkind aufzuklären und - altersentsprechend - frühestmöglich bei der Herkunftsklärung zu unterstützen, ihn/sie damit nicht alleine zu lassen. Diese Haltung und dieses Verhalten wird meines Erachtens die Beziehung zwischen den Familienmitgliedern eher stärken als schwächen. Man denke nur an moderne Patchworkfamilien. Die Tatsache, dass Mutter und Vater noch einmal neu heiraten und dass in der neuen Familienkonstellation neue Eltern, Großeltern und Kinder hinzu kommen, schadet den Kindern in der Regel nicht. In diesem Vertrauen, dass Familienmitglieder vielseitig liebes- und bindungsfähig sind, sollten auch Adoptiveltern die leiblichen Eltern nicht als "Erbgespenster" betrachten sondern als eine immer präsente Bindung und Erinnerung im Leben ihres Sohnes/ihrer Tochter. Bindungen und Erinnerungen, die anerkannt, respektiert und geklärt werden/sein sollten.

Jan Barstorf hat auf diesen Beitrag reagiert.
Jan Barstorf
Für deine Teilnahme und bis bald.